Finger weg vom Pfälzerwald!Keine Öffnung des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen für Windräder!Kundgebung am 11. Juli

Finger weg vom Pfälzerwald!
Keine Öffnung des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen für Windräder!
Kundgebung am 11. Juli

Die Landesregierung will den Pfälzerwald prinzipiell für Windräder öffnen. Die Initiative Pro Pfälzerwald (IPP) wird aus Protest gegen die Pläne der Landesregierung am 11. Juli um 14 Uhr im Fußballstadion des FC Clausen eine Kundgebung abhalten unter dem Motto: Windräder im Pfälzerwald? Nein Danke! Windräder auf dem Langerkopf? – Wehret den Anfängen!
Zahlreiche prominente Redner aus Politik und Naturschutz haben bereits ihr Kommen angekündigt.
Bild: IPP-Banner

Pfalz/Annweiler.24.6.2021/hi. Der Widerstand in der Bevölkerung gegen Windräder im Pfälzerwald nimmt weiter zu. Die SPD-geführte Landesregierung hat im Koalitionsvertrag die Absicht geäußert, über 80 Prozent des Pfälzerwaldes prinzipiell für Windräder öffnen zu wollen. Danach möchte die Landesregierung „entlang von Straßen, Bahnlinien und auf vorbelasteten Konversionsflächen“ den Bau von Windrädern ermöglichen, schreibt die Initiative Pro Pfälzerwald (IPP) in einer Presseerklärung vom heutigen Donnerstag.

Eine Kundgebung für den Sonntag, 11. Juli, in der Verbandsgemeinde Rodalben, in Clausen, ist angekündigt. Details dazu nebenstehend unter Neue Termine.

Status als Biosphärenreservat gefährdet
Das deutsche MAB (Man and Biosphere)-Komitee der UNESCO hat im Jahr 2015 den Status „Biosphärenreservat“ wegen der einmaligen Unzerschnittenheit des Pfälzerwaldes und seiner hohen ökologischen Wertigkeit 2015 davon abhängig gemacht, dass keine Windräder in dessen bewaldeten Gebieten gebaut werden. Nun spekuliere die neue Landesregierung offensichtlich darauf, dass das MAB-Komitee seine Einschätzung ändern könnte, heißt es in der IPP-Erklärung.

Die neue Landesregierung macht Fass wieder auf
Bereits 2011 habe es Pläne für Windräder im Pfälzerwald gegeben, erinnert die Initiative Pro Pfälzerwald. Zunächst hieß es damals auch: Nur ein paar Windräder. Am Ende seien insgesamt weit über 100 Windräder im Pfälzerwald geplant worden. Und ganz sicher wäre es dabei nicht geblieben, meint die IPP. Ein ähnlicher Wildwuchs droht auch heute wieder. Ganz nach der bewährten Salamitaktik.

Dazu Cornelia Hegele-Raih, Vorsitzende der Initiative Pro Pfälzerwald: „Der neuen Koalition fehlt anscheinend jegliches Gespür für den Schatz, den wir hier im Land haben. Statt diesen Schatz zu bewahren, dessen Schutz 2017 endlich auch gesetzlich verankert werden konnte, macht die neue Landesregierung das Fass wieder auf. Von Verlässlichkeit im politischen Handeln und Verantwortungsbewusstsein keine Spur.“

Der Pfälzerwald spielt in einer Liga mit Ayers Rock in Australien, der Serengeti und den Niagara-Fällen
Der Pfälzerwald ist Klimaschützer, Trinkwasserreservoir, Sauerstofflieferant, sowie Rückzugsgebiet für viele Pflanzen- und Tierarten wie Wildkatze, Luchs, Fledermäuse und Schwarzstorch. Er ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas. Die Pfälzer lieben ihren Pfälzerwald und haben eine enge, emotionale Bindung zu ihm. Touristen aus ganz Deutschland und dem Ausland schätzen den Pfälzerwald.

Martin Waldhausen, ehemaliger Vorsitzender des deutschen UNESCO MAB-Komitees, hebt hervor: „Der Pfälzerwald ist ein großer Schatz. Er spielt in einer Liga mit dem AYERS ROCK in Australien, der SERENGETI in Afrika und den NIAGARA-FÄLLEN in Kanada, die ebenfalls ganz oder teilweise Biosphärenreservate sind. Dort würde aber keiner auf die Idee kommen, Windkraftanlagen aufzustellen.“

Geschlossene Front gegen Windräder im Pfälzer Wald
Auch der Bezirkstag Pfalz, die Naturschutzorganisation Pollichia, der BUND, der NABU, die Naturfreunde, der Pfälzerwald-Verein, das Forum Pfälzerwald und viele weitere Vereinigungen und Organisationen sprechen sich dafür aus, den Pfälzerwald windradfrei zu halten.

Auch die Einwohner von Hofstätten, das zur Ortsgemeinde Wilgartswiesen in der Verbandsgemeinde Hauenstein gehört, laufen Sturm gegen Windräder im Pfälzerwald.

Laufende online-Petition aktuell fast 18.000 Unterschriften
In der noch laufenden Online-Petition „Finger Weg vom Pfälzerzwald“ an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) sind bereits fast 18.000 Unterschriften eingegangen. Damit ist die Petition gegen Windräder im Pfälzerwald auf dem Weg zu einer der meist gezeichneten Petitionen auf Change.org

Windräder sind ein heftiger Eingriff in die Natur
Für die über 250 Meter hohen Stahltürme müssten tausende Tonnen Beton in den Wald gekippt, Stahlarmierungen für die Fundamente in den Waldboden gerammt, acht Meter breite Schotterpisten für Tausende LKW-Fuhren für die angelegt werden.

Der Beitrag einiger Windräder im Pfälzerwald zum Klimaschutz wäre minimal, der Schaden für die Natur, den Tourismus und als Naherholungsgebiet der Region aber unermesslich.

Windräder im deutschen Teil des Biosphärenreservats wären auch eine vollkommen falsche Botschaft an unsere französischen Partner, die ihrerseits Windräder in ihrem Teil des Biosphärenreservats (Nordvogesen) ausgeschlossen haben.

Durch ehemalige Nutzung der US Army vorbelastete Konversionsfläche am Langerkopf. Windräder statt Renaturierung?

„Vorbelastete Flächen“ als vorgeschobenes Scheinargument
Der Bezirkstag Pfalz ist Trägere des Biosphärenreservats Pfälzerwald. Bernhard Mattheis, ehemaliger OB Pirmasens, CDU Fraktionsvorsitzender im Bezirkstag Pfalz, sagt: „Bei Standorten nahe der Autobahn bliebe es nicht, alsbald würden sich Begehrlichkeiten auf die Nachbarberge richten mit dem Argument: die Landschaft ist eh vorbelastet, die Stromtrassen sind eh eingerichtet.“

Das Argument der Vorbelastung, wird gerne verwendet um dort, wo schon Windräder gebaut wurden, weitere hinzuzufügen. Es ist aber genauso wenig logisch, wie es das Argument wäre, in einen bereits vergifteten Fluss weitere Belastungen einzubringen.

Auch im Gebiet Langerkopf, einer Konversionsfläche Mitten im Pfälzerwald, argumentiert die Landesregierung mit „vorbelastete Fläche“.

Das Klima lässt sich nicht retten, indem die letzten Rückzugsgebiete für Tier, Natur und Mensch auch noch überbaut werden
Das Argument „ein paar Windräder neben der Autobahn“ würden doch niemand stören, klingt zunächst einleuchtend. Doch die A 6 führt letztlich quer durch den nördlichen Pfälzerwald. Nördlich der A 6 liegen der Stumpfwald mit dem staatlich anerkannten Fremdenverkehrsort Ramsen, dem weithin bekannten Eiswoog

Das Pfälzerwald-Panorama, vom Donnersberg aus nach Süden über die Senke gesehen, wäre kaputt. Schon jetzt ist der defizitäre Windpark bei Göllheim auch ein optischer Schandfleck in der Landschaft. Dort soll ein neues Riesenwindrad direkt nahe der Grenze des Biosphärenreservats gebaut werden.

Viele Standorte an der A6 gehören zum Naherholungsgebiet von Kaiserslautern und sind ebenfalls unzerstörte Wälder. Zum Teil sind die Gebiete nicht bewaldet, wurden aber dennoch von der Naturschutzbehörde unter Schutz gestellt z.B. wegen Kalkstein/Magerrasen und entsprechenden Biotopen.

Es wurden bereits vor 2015 diesbezüglich einige Standorte erwogen, aber wieder verworfen. Die wenigen Windradstandorte, die nach der Prüfung aller Faktoren am Ende vielleicht noch übrig blieben, würden den Klimaschutz nicht nennenswert voranbringen, aber großen Schaden anrichten.

Die einmalige Natur- und Kulturlandschaft des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen muss als Ganzes für Natur und Mensch für die Zukunft bewahrt werden.

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