Nationaler Radverkehrsplan 2021.adfc fordert konkrete Umsetzung im Kreis SÜW

Nationaler Radverkehrsplan 2021.
adfc fordert konkrete Umsetzung im Kreis SÜW

Deutschland soll in den nächsten Jahren zum Fahrradland werden. Dieses Ziel hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim Nationalen Radverkehrskongress in Hamburg ausgegeben. Dazu will der Bund bis zum Jahr 2023 rund 1,46 Milliarden Euro in den Radverkehr investieren. Bis Ende des Jahrzehnts soll so ein lückenloses Radnetz entstehen. Auch in den ländlichen Gebieten. Mit neuen Radwegen entlang von Straßen.
Der Fahrradclub adfc sieht in dem vorgelegten Nationalen Radverkehrsplan 3.0 ein gelungenes Leitbild für die Radverkehrsförderung der nächsten zehn Jahre.Inwieweit regionale Radwege-Projekte in der Südpfalz davon konkret profitieren, wird sich zeigen.

Bild:   Bild: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) radelt. Foto: adfc

Annweiler.2.5.2021/hi/Michael Schindler. Der Fahrradclub adfc bewertet es als kleine Revolution, dass sich das Bundesverkehrsministerium nunmehr klar zu dem Ziel bekennt, den Verkehr vom Auto auf den Umweltverbund und insbesondere auf das Fahrrad zu verlagern: “Gut,  dass der Verkehrsminister jetzt Klartext redet und der Allen-Platz-fürs-Auto-Denke abschwört.“

Heute noch Lichtjahre entfernt vom Fahrradland Deutschland
Kritisch merkt der adfc allerdings auch an, dass die Ziele des letzten Plans nicht erreicht worden seien, weil den Bekenntnissen zu mehr und besserem Radverkehr erst viel zu spät Taten folgten.
Die stellvertretende adfc-Vorsitzende, Rebecca Peters, sagt dazu: „Vom Fahrradland Deutschland sind wir, Stand heute, noch Lichtjahre entfernt. Die Menschen fühlen sich beim Radfahren nicht sicher. Das hat kürzlich wieder der adfc-Fahrradklima-Test gezeigt. Der Ausbau der Radwege und Radschnellwege kommt bisher kaum voran”.

Bundesförderung nur bis 2023 gesichert
Außerdem sei die Förderung des Bundes nur bis 2023 gesichert. Das sei viel zu kurz für große Infrastrukturprojekte. Angesichts des erheblichen Nachholbedarfs bei den kommunalen Radwegen werde die bisher vorgesehene Förderung wohl auch nicht reichen. Damit es zügig vorangehen könne, müssten die großen Lücken beim Fachpersonal für die Planung von Radwegenetzen durch eine Aus- und Fortbildungsoffensive geschlossen werden, so der adfc in seiner Stellungnahme.

Auch die Kommunen fordern mehr Entschlossenheit
„Radverkehrsförderung ist aktive Klimaschutzpolitik und bedeutet keinen Verzicht, sondern ein Mehr an Lebensqualität für uns alle“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

Verkrustete Bürokratie hemmt Umsetzung wichtiger Projekte
Damit die Bundesmittel im Kreis SÜW auch ankommen, müsste noch „an administrativen Stellschrauben auf Bundes- und Landesebene gedreht werden“, meint dazu Michael Schindler, Vorsitzender des regionalen adfc-Kreisverbands Landau/SÜW. Er nennt dazu zwei konkrete Beispiele für bürokratische Hemmnisse, wenn es um konkrete Umsetzung von Projekten geht.

Radweg von Albersweiler – Annweiler
Die 2020 überarbeiteten „Grundsätze für Bau und Finanzierung von Radwegen an Bundesstraßen in der Baulast des Bundes“ müssten von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Landesregierung jetzt auch definitiv umgesetzt werden, betont Schindler. Denn der Radweg von Albersweiler nach Annweiler sei nach dieser Landesrichtlinie nicht Sache der Verbandsgemeinde Annweiler. Die Verantwortung liege politisch bei der Landesregierung und in der planerischen Umsetzung beim Landesbetrieb Mobilität (LBM).

Radweg Annweiler – Lug
Und auch der dringend notwendige Radweg von Annweiler nach Lug sei eine interkommunale Aufgabe der Landkreise Südwest- und Südpfalz. Eine völlig veraltete Nutzen-Kosten-Untersuchung habe überdies zur Ablehnung des Projekts seitens des Landes geführt hätte. Dieses Papier werde derzeit nach Protesten der Landkreise GER, SÜW und  Südwestpfalz überarbeitet. Und zwar im Zusammenhang mit der Reaktivierung von Bahnstrecken.

„Wir hoffen, dass die zweite Ausbaustufe der Strecke Lug-Annweiler hin zu einem vollwertigen Radverkehrsweg mit Bahn- und Werksanschluss gelingen wird“, ist der adfc-Kreisvorsitzende optimistisch.

Hintergrund
Fast alle Menschen in Deutschland besitzen ein Fahrrad: 2020 gab es rund 79 Millionen Fahrräder, davon über sieben Millionen mit elektrischer Unterstützung.
28 Millionen Wege und 112 Millionen Kilometer wurden 2017 mit dem Rad zurückgelegt.
Eine Fahrt mit einem klassischen Fahrrad war im Durchschnitt 3,7 Kilometer lang, mit dem Pedelec 6,1 Kilometer.
Insgesamt nutzten die Menschen das Fahrrad für 11 Prozent ihrer Wege.
Mit dem letzten Nationalen  Radverkehrsplan (NRVP 2020) hatte die Bundesregierung  etwa  15  Prozent Radverkehrsanteil angestrebt. Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt.
Im NRVP 3.0 gibt sie überhaupt keinen angestrebten Radverkehrsanteil an. 
Zum Vergleich: In den Niederlanden ist der Radverkehrsanteil mit 27 Prozent fast dreimal so hoch wie in Deutschland. Die Niederlande gelten als das Land mit der weltweit besten Radinfrastruktur.

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (adfc)
Der adfc ist mit mehr als 200.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der adfc auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Der adfc-Kreisverband Landau-SÜW setzt sich insbesondere für die Nah-Verkehrs-Infrastruktur im ländlichen Raum und den Ausbau des touristischen Radwegenetzes ein.

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