+++ 7Tages-R-Wert bleibt weiter über 1,0. Tendenz steigend. Am Donnerstagabend 1,33 (Vortag 1,18)

Der 7Tages-R-Wert (R7,t) bildet das Infektionsgeschehen von vor 8-16 Tagen ab. Seit dem 6. Juli liegt dieser Wert wieder über der kritischen Marke 1,0. Wenn R7,t beispielsweise mit 1,17 gemeldet wird, dann haben – rein statistisch gesehen – 1.000 neu Infizierte weitere 1.170 Personen angesteckt. Die Zahl der Neuinfektionen steigt also langfristig.

Das RKI meldet den berechneten R7,t seit Juli nur noch montags bis freitags im abendlichen Situationsbericht.

+++ deutschlandweit sind 59,2 Prozent der Bevölkerung mind. 1x geimpft. 44,6 % haben vollen Impfschutz (Stand 15. Juli, 10:00)

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein bemerkenswertes TV-Interview, das Andreas Gassen am Sonntagabend gegeben hat. Andreas Gassen ist Orthopäde, Unfallchirurg und Rheumatologe. Seit dem 1. März 2014 ist er Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Der Kassenarzt-Chef sagte unter anderem der BILD: „Eine Impfquote von 90 Prozent sind Science Fiction. Die werden wir niemals erreichen“. Eine hohe Impfquote sehe er bei über 70 Prozent erreicht. Ein Grund dafür sei, dass Menschen sich nicht impfen lassen wollen. Weil sie Corona ignorieren oder weil sie den Impfungen misstrauen.

Als einmal geimpfte Personen zählen alle Menschen, die mindestens eine Impfung verabreicht bekommen haben. Auch Personen, die bereits eine ggf. erforderliche zweite Impfdosis erhalten haben, werden hier entsprechend mitgezählt.

Grundsätzlich werden Impfstoffdosen gemäß Bevölkerungsschlüssel verteilt. Nach Beschluss der MPK vom 19. März 2021 erhielten einige besonders von Mutationen betroffene Bundesländer Zusatzlieferungen (Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Zudem gab es verschiedene Ausgleichs- und Zusatzlieferungen an die Länder. Das beeinflusst den Anteil der gelieferten Dosen sowie die Impfquoten der Länder.

Quelle: impfdashboard.de, RKI, BMG.

+++ RKI meldet am Freitagmorgen (16.7.) 1.456 Neuinfektionen, 18 Todesfälle. Inzidenz erneut wieder leicht gestiegen. (heute 8,6, Vortag 8,0).

Die Inzidenz wird europaweit als ein Kennwert verwendet, wenn es um Lockerungen oder Verschärfung von Corona Bekämpfungs-Maßnahmen geht. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz so zu mindern und auf niedrigem Niveau zu halten, dass die Gesundheitsämter die Nachverfolgung von Kontakten der Corona-Infizierten leisten können.

Hospitalisierung als Alternative zum Inzidenzwert
Inzwischen wird eine andere Kennzahl als Alternative zum Inzidenzwert diskutiert: Die Hospitalisierung. Die BILD-Zeitung berichtete, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) plane, „die Hospitalisierung als zusätzlichen Leitindikator“ in den Blick zu nehmen. Also die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten.

Dazu passt, dass das Bundesgesundheitsministerium am Sonntag bekannt gab, dass Krankenhäuser künftig verpflichtet werden sollen, alle Krankenhausneuaufnahmen wegen Corona zu melden. Bisher wird lediglich die Zahl der Intensivpatienten zentral erfasst.

In der Politik gibt es zu den Überlegungen des RKI Zustimmung: Die mögliche Abkehr vom Inzidenz-Wert könnte „die langersehnte Wende für uns alle“ sein, sagte beispielsweise Friedrich Merz (CDU) am Wochenende der BILD.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) für neue Kriterien
Auch im Sommerinterview beim SWR hat nun Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Linie der Inzidenzwerte verlassen. Sie sprach sich dafür aus, dass der Inzidenzwert als Schwelle für verschiedene Maßnahmen bis zum Herbst durch neue Kriterien ergänzt werden könnte. Im Mittelpunkt könnten dann statt der reinen Zahl der Infektionen stärker die Auswirkungen auf die Betroffenen und das Gesundheitswesen stehen.

Freie Wähler sehen sich bestätigt
„Die Ministerpräsidentin schwenkt damit auf die Linie der Freien Wähler (FW) um, kommentiert FV-Fraktionschef Joachim Streit. Dieser hatte bereits unter anderem am 11. März in der SWR-„Elefantenrunde“ der sieben Spitzenkandidaten zur rheinland-pfälzischen Landtagswahl gefordert: „Schmeißt die alten Regeln über Bord und haltet euch nicht mehr an Inzidenzwerte“. Maßgeblich sei der Schutz des Einzelnen und die Stabilität des Gesundheitssystems. Dies werde durch das Festhalten allein an Inzidenzwerten nicht abgebildet.

Und Stephan Wefelscheid, Wirtschaftspolitischer Sprecher, der FW-Landtagsfraktion ergänzt: „Die Ministerpräsidentin hätte die Geschäfte viel früher öffnen können, hätte sie eher auf uns gehört. Die immensen Umsatzeinbußen waren vermeidbar. Bleibt nur zu hoffen, dass Malu Dreyer jetzt wenigstens im nächsten Plenum in dieser Woche den Weg für unseren Antrag auf Entschädigungsregelung für von Corona betroffene Selbständige freimacht. Die Geschäftsleute haben eine Entschädigung für die vermeidbare Phase der Schließungen mehr als verdient.“