Forstamtsleiter Gregor Seitz ein Jahr im AmtZukunftsvision Gemeinschaftswald

Forstamtsleiter Gregor Seitz ein Jahr im Amt
Zukunftsvision Gemeinschaftswald

Forstamtsleiter Gregor Seitz: „Politik und Gesellschaft haben hohe Erwartungen an die Waldbesitzenden hinsichtlich eines klimastabilen Umbaus der Wälder. Die Verpflichtungen dazu sind im Landeswaldgesetz festgelegt. Bei den damit verbundenen Herausforderungen kann das Annweiler Forstamt den privaten Waldbesitzern in vielerlei Hinsicht helfen“. Foto: cmc-hi

Annweiler.28.1.2021/hi. Es hat viel geregnet und geschneit seit Dezember bis Anfang Februar. Hat sich der Annweiler Wald dadurch von den Dürreperioden der letzten Jahre wieder erholt?

Kaum, sagt dazu Gregor Seitz, der seit einem Jahr den großen Forstamtsbereich Annweiler leitet. Auch wenn die Wald- und Feldwege vor dem aktuellen Frost vielerorts nass und matschig waren, fehle in den unteren Bodenschichten noch immer die Feuchtigkeit.

Der Wald leidet unter der Klimaveränderung

Um ihn als Lebens-, Natur- und Erholungsort zu erhalten, haben allein im vergangenen Jahr Bund und Land 21 Millionen Euro Fördergelder an private und kommunale Waldbesitzende in Rheinland-Pfalz ausgezahlt. Bereits in früheren Jahren sind forstliche Förderprogramme in erheblichem Umfang in die Waldbestände geflossen. Dann allerdings folgten Jahre, in denen die Mittel drastisch gekürzt wurden.
Hat die Dramatik der Entwicklung infolge der letzten Hitze- und Dürresommer nun ein Umdenken bewirkt?

Ein Großteil der Wälder befindet sich im Privatbesitz

Im Forstamtsbereich Annweiler gibt es neben dem kommunalen Bürgerwald rund 2 600 Privatwaldbesitzende. Überwiegend Klein- und Kleinstparzellen mit durchschnittlich weniger als 0,6 ha Fläche.

„Für private Waldbesitzer ist ihr Wald oft Sparkasse oder ein Familienbesitz, der an kommende Generationen nachhaltig weiter vererbt werden soll. Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung sind fast ausschließlich aus dem Holzverkauf zu erzielen“, kommentiert Karl-Heinz Busch, Mitglied im Waldbauverein Trifels.  

Durch den Klimawandel mit seinen Dürrejahren und dem vermehrten Schädlingsbefall mussten aber in den letzten Jahren riesige Holzmengen in Deutschland eingeschlagen werden. Der Holzmarkt wurde überschwemmt. Die Holzpreise gingen in den Keller. Manche Sortimente sind unverkäuflich. Eine Vielzahl von Forstbetrieben ist am Ende. Die Flächen müssen geräumt und wieder aufgeforstet werden. „30 Jahre sind dort jetzt keine Einnahmen mehr aus dem neuen Wald zu erwarten, nur hohe Pflegekosten. Waldbewirtschaftung und Waldpflege ist Daseinsvorsorge für alle. Daher sind die Privatwaldbesitzer auf die Unterstützung der Politik angewiesen“, erläutert der ehemalige Privatwaldberater Busch aus Annweiler.

Forstamt Annweiler

Forstmeister Gregor Seitz leitet seit einem Jahr den großen Forstamtsbereich Annweiler. Das Waldgebiet reicht von Rinnthal bis an die deutsch-französische Grenze. Darin ist der Annweiler Wald enthalten mit seinem 2 100 Hektar großen kommunalen Bürgerwald und rund 1.500 Hektar Wald von 2.600 Privatwaldbesitzern.

Gleich ob Privatwald, Kommunalwald oder Staatswald. Den Waldbesitzenden sind vier Grundpflichten auferlegt (§ 4 LWaldG): Der Wald ist ordnungsgemäß, nachhaltig, planmäßig und sachkundig zu bewirtschaften. Die Bewirtschaftung schließt die Umweltvorsorge ein. Die Grundpflichten stellen eine gesetzliche Vorgabe für alle Waldbesitzenden sowie für jede Maßnahme im Wald dar. Grundsätzlich gelten sie unabhängig von der Waldeigentumsart und der Forstbetriebsgröße.

Wir haben das zum Anlass genommen und ein ausführliches Gespräch geführt. Insbesondere wollten wir wissen, wie das Forstamt die Privatwaldbesitzer bei der Bewältigung der Probleme unterstützt.

Forstliche Förderprogramme des Landes

Das Volumen der beantragten und bewilligten Fördermittel für den Privatwald ebenso wie für den Kommunalwald sei im Verlauf des letzten Jahres deutlich angestiegen, berichtet Gregor Seitz: „Im Forstamtsbereich Annweiler sind im Verlaufe des Jahres 2020 rund 70.000 Euro bewilligt worden. Aufgrund der Vielzahl von Anträgen landesweit ist die Bewilligung der Anträge noch nicht vollständig abgewickelt. Das genannte Fördervolumen ist folglich noch nicht abschließend“.

Insbesondere die Fördertatbestände „Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald“ und „Erschließung von Waldgebieten für eine Bewirtschaftung, Prävention und Abwicklung von Schadereignissen“ seien durch die Waldbesitzenden in Anspruch genommen worden.

Ergänzend dazu werde seit Ende des vergangenen Jahres die Nachhaltigkeitsprämie Wald durch ein umfangreiches Konjunktur- und Zukunftspaket ratifiziert.

„Im Annweiler Forstamtsbereich sind neben den waldbesitzenden Kommunen auch mindesten 150 Privatwaldbesitzende in die Antragstellung eingestiegen. Die ersten Bewilligungen wurden kurz vor den Weihnachtstagen ausgestellt“, weiß Gregor Seitz.

Prekäre betriebswirtschaftliche Situation der hiesigen Kleinprivatwaldbesitzer

Der Waldbesitz soll Rendite bringen. Das ist kein Widerspruch zu den Grundpflichten der Waldbesitzer. Denn der Wald ist eine langfristige Investition. Im Durchschnitt sind etwa 100 Jahre nötig, bis die Bäume geerntet werden können. Die jährlich laufenden Kosten müssen daher möglichst geringgehalten werden. Berufsgenossenschaft, Steuern und Abgaben belaufen sich zurzeit auf etwa 125 Euro je Jahr und Hektar. Das sind ohne Zinsen 12 500 Euro je Hektar in 100 Jahren.

Dazu Annweilers Forstmeister Gregor Seitz: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine positive ökonomische Perspektive. Die Holzvermarktung ist seit Beginn der europaweiten Waldschadens-Situation gestört und hat zu deutlichen Eintrübungen und einem spürbaren Preisverfall geführt. Dies betrifft insbesondere beim Nadelholz die Fichte. Aufgrund des europaweiten Überangebot an Käferholz sind die Absatzmöglichkeiten für die Kiefer – eine der charakteristischen Baumarten im Bereich des Pfälzerwaldes – nicht gegeben“. Diese Baumart sei bei den Holzkäufern nicht stark nachgefragt. Ein durchschreiten der Talsohle und eine Marktbelebung zeichne sich noch nicht ab.

„Gleichermaßen stehen die Waldbesitzenden den klimawandelbedingten Herausforderungen gegenüber. Die durch Dürre, Sturm und Borkenkäfer entstandenen Schädigungen sind aufzuarbeiten, die Verkehrssicherheit entlang öffentlicher Straßen ist zu gewährleisten und im Falle des Wegbrechens ganzer Waldorte ist die Wiederbewaldung zu stemmen. Das alles verursacht erhebliche Kosten“.

Forstfachliche Beratung

Das Forstamt fördert den Privatwald und die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse durch Beratung.
In den Forstämtern betreuen speziell dafür ausgebildete Fachleute die Privatwaldbesitzenden.

„Im Forstamtsbereich Annweiler ist das der Privatwaldbetreuer Nicolas Scheiwe. der in Sach- und Fachfragen berät. Außerdem Günter Beck, der auch im Forstamt Hinterweidenthal für die dortigen Privatwaldflächen zuständig ist „, erklärt Seitz.

„Auf Wunsch leitet unser Team die Waldbesitzenden bei den Betriebsarbeiten an und unterstützt sie bei der Beschaffung von Saatgut und Pflanzmaterial. Diese Leistungen sind kostenfrei. Dafür haben wir in

Schwerpunkten des Kleinprivatwaldes für Beratung und forstfachliche Förderung des Privatwaldes spezielle Privatwaldbetreuungsreviere gebildet. Das Annweiler Forstamt wirkt auf Wunsch der Waldbesitzenden fallweise oder ständig bei der Waldbewirtschaftung mit. Für diese Mitwirkung sind Gebühren zu entrichten“.


Waldflurbereinigung

Klimawandelbedingten Waldschäden können die Gemeinwohlleistungen des Waldes bedrohen und insbesondere auch negative Folgen für den Klimaschutz haben. „Darüberhinaus bestehen auch strukturelle Defizite“, gibt sich Seitz nachdenklich: „Die Strukturen des Privatwaldes sind durch eine Vielzahl von Klein- und Kleinstwaldbesitzenden sowie vielerorts durch eine mangelhafte Walderschließung und unklare Eigentumsverhältnisse geprägt. Private Waldbesitzer leben vermehrt in einem urbanen Umfeld und haben kein oder ein nur geringes Interesse an der wirtschaftlichen Nutzung ihres Waldes“.
Zur Strukturverbesserung im kleinparzellierten Privatwald seien die öffentlichen Fördermittel insoweit auch eine Hilfe zur Selbsthilfe, um eine Professionalisierung im Waldbau zu erreichen.

Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, meint dazu Karl-Heinz Busch, dass beispielsweise das Rinnthaler Verfahren zur Waldflurbereinigung seit über zehn Jahren die  Amtsstuben des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums  beschäftigt.

Mit Blick auf die gegenwärtigen Rahmenbedingungen und und die heutigen und zukünftigen Erwartungen an die Wälder sagt Gregor Seitz: „Für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen in leistungsfähigen Strukturen kann auch ein Gemeinschaftswald-Ansatz eine Zukunftsvision darstellen“. 

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