Tiere im Garten – ein Garten für Tiere.
Projekt „Gärten für die Artenvielfalt – Jardiner pour la biodiversité“

Viele Tiere haben es in unserer zersiedelten und durch menschliche Nutzung geprägten Landschaft schwer. Wie ein Garten zu einem lebendigen Ort wird, in dem auch Tiere gerne wohnen, ist Thema eines grenzüberschreitenden Projekts „Gärten für die Artenvielfalt“. Eva Hofmann von der Gartenakademie RLP hält dazu am kommenden Sonntag einen Online-Vortrag. Und zur Einstimmung erzählt unsere Redakteurin Barbara Karch, welch allerlei Getier sich in ihrem Garten tummelt.
Bild: Die richtige Pflanzenauswahl und Strukturen wie zum Beispiel Wasserstellen laden Tiere zum Verweilen ein. Foto: Biosphärenreservat/Claudia Halfmann

Annweiler.13.10.2021/Barbara Karch. Hurra, ich kann’s noch gar nicht glauben, aber wir haben tatsächlich Molche in unserem Garten. Ich bewirtschafte seit 20 Jahren ein Grundstück in Hanglage. Deshalb haben wir gleich beim Hausbau nach Sandsteinen gesucht und damit Trockenmauern errichtet.

Es dauerte nicht allzu lange, und schon fühlten sich Zauneidechsen, Blindschleichen und Spitzmäuse in den zahlreichen Spalten und Kämmerchen wohl in ihrem Zuhause.

Auch zahlreiche Frösche und Kröten im und um den Teich herum gehören zu den tierischen  Bewohnern.

Aber Molche, das war bisher Fehlanzeige. Dabei waren die mir aus meiner Kindheit noch gut in Erinnerung. Auch habe ich in unserer Umgebung nie welche gesehen. Wohl schon Feuersalamander. Auch eine Unke war des Nachts aus dem Teich zu hören. Nur eben keine Molche.

Als ich im letzten Jahr die Trockenmauer reparieren musste, krabbelte zwar ein Wesen aus dem Steinschutt. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass es wirklich ein so lange vermisster Molch sein sollte.

Nun habe ich Gewissheit: es ist ein Molch. Zwar noch klein. Aber das wird schon noch.  Und dann habe ich noch einen zweiten gerade heute in einer Pfütze gefunden. Das tröstet über das tote Exemplar hinweg, das ich beim Aufräumen im Heizungskeller gefunden habe. Wie es dahin kam, kann ich mir nicht erklären, denn anders als im Vorratskeller gibt es keine Möglichkeit über Kellerfenster einzuwandern.

Und ich weiß auch, dass es nur wenige Menschen gibt, die Blindschleichen anfassen: Aber es ist schon witzig, wenn meine bessere Hälfte mich in den Keller ruft, um im Frühjahr die Schlange in die freie Natur zu entlassen, die sich über Winter dort unten an den zahlreichen Insekten dick und rund gefressen hat und nicht mehr durch die dünnen Schlitze passt.

Ein Garten mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, die Trockenmauern, Teich, Komposthaufen, Hecken und Obstbäume bieten, sind auch für wilde Tiere interessant. Und wenn dann noch Insektenschutzmittel, Herbizide und Fungizide weggelassen werden, hat der Gärtner noch viel mehr Freude dran. (bk)

Projekt „Gärten für die ArtenvielfaltJardiner pour la biodiversité“
Mit dem grenzüberschreitenden Projekt „Gärten für die Artenvielfalt – Jardiner pour la biodiversité“ soll die breite Öffentlichkeit im deutschen wie im französischen Teil des Biosphärenreservats für die Artenvielfalt im Alltag sensibilisiert und begeistert werden. So soll in den unbebauten Flächen von Städten und Dörfern ein ökologisches Handeln sanft und nachhaltig entwickelt werden. Das Projekt wird durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz sowie mit Mitteln aus dem Interreg V A-Projekt „NOE / NOAH“ gefördert.

Online-Vortrag am Sonntag, 17. Oktober, 18 Uhr
Eva Hofmann von der Gartenakademie RLP zeigt, worauf es ankommt, damit der Garten nicht nur schöne Pflanzen beherbergt, sondern auch von vielen Tieren bewohnt wird, deren Beobachtung Gärtnerinnen und Gärtnern Freude bereitet. Sie können grüne Oasen schaffen, die sich als Lebensraum für verschiedene Tiere eignen. Eva Hofmann stellt in ihrem Vortrag vor, welche Strukturen, Bearbeitungsweisen und Pflanzen den Garten besonders anziehend für Tiere machen. Die Teilnahme am Vortrag ist kostenlos. Um Anmeldung bis Freitag. 15. Oktober, 12 Uhr beim Biosphärenreservat Pfälzerwald unter m.mayer@pfaelzerwald.bv-pfalz.de wird gebeten. Im Anschluss wird ein Link zum Vortrag zur Verfügung gestellt.

Tomatenernte 2021.
Hausgärtnerische Erfahrungen mit der Freilandkultur

„Eigentlich hätte ich es mir denken können: nach über 20 Jahren Topfkultur von Tomaten hatte ich mich überreden lassen, es  wieder mit der Freilandkultur  zu versuchen“, blickt Barbara Karch zurück auf ihre diesjährige Missernte von Tomaten in hausgärtnerischer Freilandkultur. Und im nächsten Jahr will sie wieder säen, pikieren und topfen.
Bild: Tomaten mit Braunfäule. Diese Kirschtomaten werde nicht mehr ausreifen! Foto: BK

Annweiler.7.8.2021/Barbara Karch. Eigentlich hätte ich es mir denken können: nach über 20 Jahren Topfkultur von Tomaten hatte ich mich überreden lassen, es wieder einmal mit der Freilandkultur  zu versuchen. Und es kam wie es kommen musste: keine noch so ausgeklügelte Bewässerung von unten, dafür reichlich Wasser von oben.

Regen und Braunfäule haben den Widerstand gebrochen
Anfang Juli haben sämtliche Tomatensorten den Widerstand aufgegeben und die Braunfäule brach sich Bahn. Und zwar gewaltig. Meine geliebte Berner Rose genauso wie Amish salad, Zigan, Evas purple Plum, Marmande. Alles landete im Kompost.

Zuerst hatte ich noch die Befürchtung, ich müsste alles in die Mülltonne stopfen, aber ein Blick in Kraut und Rüben“ beruhigte mich schlagartig. Es kann alles kompostiert werden. Dort wird das System mit diesem Pilz fertig.

Nächstes Frühjahr wieder: Aussaat Ende Februar im Topf
Aber nächstes Frühjahr mache ich es wieder wie die Jahre davor: Aussaat Ende Februar. Und nach der Keimung und dem Erscheinen des zweiten Blattpaares pikiere ich die Plänzchen in einen größeren Topf in normale, torffreie Blumenerde. Schließlich will ich ja nicht die Umwelt dadurch schädigen, dass weiterhin die Hochmoore zerstört werden.

Zusätzlich bereite ich schon im Januar die großen Pflanztöpfe vor. Ich habe normale Gartenerde in wenigstens 40 Zentimeter breite Töpfe gefüllt und eine Handvoll Hornspäne darüber gestreut. Weil Hornspäne einen langsam wirkenden Dünger darstellen, muss ich den schon früh ausbringen, damit er auch wirkt, wenn ich nach den Eisheiligen die Tomaten einpflanzen will.

Auspflanzen Mitte Mai, nach den Eisheiligen
Wenn es dann nach den Eisheiligen Mitte Mai soweit ist, hole ich noch Brennnesseln aus dem Garten, schneide die klein und lege sie unten ins Pflanzloch.  Dann gebe ich noch Algenkalk dazu. Kann man aber auch weglassen, wenn man sorgfältig gießt. Damit die Tomaten nicht austrocknen. Das passiert bei mir manchmal, da ich kaum etwas weniger mag als gießen. Das dauert immer so lange, wenn es nützen soll. Und bei der Geduld hapert es bei mir .

Dazu noch zwei Handvoll von der guten Komposterde. Und schon können die Tomaten eingepflanzt werden. Etwas tiefer, als sie gestanden waren. Denn dann bilden sie neue Wurzeln. Das führt nämlich zu mehr Standfestigkeit und ist bei den windigen Sommern dringend notwendig.

Angegossen mit nicht zu kaltem Wasser werden Stabtomenten , Marmande, Ochsenherz und Berner Rose. Mit einem Spiralstab versehen und an einen sonnigen, aber regengeschützten Platz auf Terrasse oder Balkon gestellt.

Wenn jetzt die Temperaturen mitspielen, gehen die Dinger ab wie Schmitts Katze
Wegen der früheren Ernte und weil unser Enkel sie so gerne vom Strauch nascht, darf ich natürlich die Cocktail-, Kirsch- und Wildtomaten nicht vergessen. Die geize  ich auch nicht aus, ich brächte mich sonst nur um etliche Früchte. Außerdem sind das die einzigen Tomaten, die mich noch nie enttäuscht haben und immer  früh und reichlich für Erntesegen gesorgt haben.

Also, ich freue mich schon auf den nächsten Sommer. Nach dem Motto: Neues Spiel, neues Glück.

Gartenvögel gehen in die zweite Runde.
Zurückhaltung beim Heckenschnitt verhilft Vögeln zu zweiter Brut

In dieser Jahreszeit sind die Jungen vieler Vogelarten geschlüpft, flügge geworden und haben das Nest verlassen. Stimmen das Nahrungsangebot und weitere Umweltfaktoren, verpaaren sich viele Vogelarten – darunter auch viele Gartenvögel – ein zweites Mal und brüten erneut.
Bild: Rotkelchen. Foto: Thorsten Höh

Südwestpfalz.7.8.2021/kv-swp. Herrschen im Zeitraum der ersten Brut ungünstige Witterungsbe-dingungen und gehen beispielsweise durch Nässe und Kälte viele Bruten verloren, tendieren umso mehr Vögel zu einer Zweitbrut. „Insbesondere für Vogelarten, die ihre Nester in Gebüschen anle-gen ist anzunehmen, dass durch die diesjährige langanhaltende Nässe im Frühjahr und Frühsommer vergleichsweise viele Bruten nicht erfolgreich waren“, vermuten Raphael Philipp und Matthias Broschart von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Südwestpfalz.

Gebüsche und Hecken nicht zu früh zurückschneiden
Der in den kommenden Wochen durchgeführten Zweitbrut kommt in diesem Jahr deshalb umso größere Bedeutung zu. Daher ist es wichtig, Gebüsche und Hecken nicht zu früh zurückzuschneiden. Grundsätzlich ist zwischen Ende Februar und Anfang Oktober auch im Privatgarten nur ein schonender Form- und Pflegeschnitt zulässig. Selbst dieser schonende Rückschnitt des diesjährigen Zuwachses der Sträucher kann zur Störung führen. Und dadurch vielleicht sogar auch zur Aufgabe der Brut. Daher sollten Gebüsche grundsätzlich erst ab Herbst zurückgeschnitten werden.

Damit es auch im nächsten Jahr wieder piept und flattert
Ist dies nicht möglich, sind die relevanten Gebüsche und Hecken zuvor auf Vogelbrut zu kontrollieren. Wird dabei Brutgeschehen festgestellt, muss der Rückschnitt auf die Zeit nach Abschluss der Brut verschoben werden.

Gerne beantwortet die Untere Naturschutzbehörde unter Telefon 06331/809-222 und 06331/809-227 Fragen und berät dazu in naturschutzfachlich. Mit dem beschriebenen, rücksichtsvollen Vorgehen können alle dazu beitragen, dass es im eigenen Garten auch im nächsten Jahr wieder piept und flattert.

Wohin mit dem Rasenschnitt?

Beim Rasenmähen fällt ordentlich was an. Wohin mit dem vollen Fangkorb? Auf dem Komposter, sofern vorhanden, ist oft nicht genügend Platz. Und die grüne Bio-Tonne ist auch schnell voll. Wer neben seinem gepflegten Rasen auch noch Gemüse anbaut, dem kann geholfen werden, meint Barbara Karch.
Bild: Rasenschnitt ist genau das, was die Gemüsebeete brauchen. Foto: BK

Annweiler.11.7.2021/Barbara Karch. Nach einem scheinbar endlosen Winter und einem nicht wahrzunehmenden Frühling hat sich unser Garten in einen grünen Dschungel verwandelt. Sogar die kleine Rasenfläche, die ich Anfang März mit einem der üblichen Rasendünger gedüngt hatte, wuchert so sehr, dass einmal die Woche gemäht werden muss. Es fällt dabei ordentlich was an Rasenschnitt aus dem Fangkorb. Aber kein Grund zu jammern, sondern unverhohlene Begeisterung, denn das grüne Geriesel ist genau das, was die Gemüsebeete brauchen.

Das Saatgut wird in dünner Schicht unter alles, was da wächst, ausgestreut: Tomaten, Kohlrabi, Rote Beete, Zwiebeln, Möhren und um den Salat und somit der nackte Boden geschützt. Nicht wie in den Sommern zuvor vor der sengenden Hitze und der damit verbundenen Austrocknung, sondern vor der Verkrustung und Verdichtung des Bodens.

Im Schattigen können Regenwürmer, allerlei Insekten und Mikroorganismen ihrer Arbeit nachgehen und mir bei der Gartenarbeit helfen: Obst und Gemüse werden durch die Mulchschicht auf sanfte Weise gedüngt und der Boden vor Austrocknung oder Verschlammung geschützt.

Ich muss weniger gießen. Die Früchte bleiben sauberer als wenn sie auf den blanken Boden liegen. Die Lebensgemeinschaft der kleinen Krabbeltiere sorgt für ein ausgeglichenes Kleinklima. Und der Boden wird durch den entstehenden Humus immer besser. Also eine win-win-Situation.

Umweltschutz kann so einfach sein
Die Biotonne bleibt für andere Abfälle reserviert. Ich muss nicht zur Deponie fahren und tue somit etwas fürs Klima. Umweltschutz kann so einfach sein.

Sollte noch etwas übrig sein, kommt der Rasenschnitt als Mulchdecke unter die Stauden und Sträucher. Auch frisch gesetzte Obstbäume haben es gerne, wenn die Baumscheibe unkrautfrei von Mulch bedeckt ist.
Also, her mit dem Rasenschnitt!


Gräfenhausener Beweidungsprojekt.
Rinder, Ziegen und Esel pflegen die Natur

Nachdem am Gräfenhausener Wingertsberg die wein- und obstbauliche Nutzung aufgegeben worden war, verbuschten die Flächen stark. Um dem entgegenzuwirken, besteht dort seit Oktober 2014 ein Beweidungsprojekt. Das 13 Hektar große Gelände ist in Trägerschaft der Kreisverwaltung SÜW als unterer Naturschutzbehörde. Seither weiden Rinder, Esel und Ziegen auf dem Südhang des Gräfenhausener Wingertsberg. Um die Landschaft zu öffnen und das Gehölz zugunsten von Grünland zurückzudrängen.

Archivbild Verein SÜW Annweiler.TIZIE. Winzerin Andrea Schneider aus Gräfenhausen, die Initiatorin des Beweidungsprojekts

Annweiler-Gräfenhausen.27.5.2021/hi. Bei einem Besuch vor Ort machte sich SÜW-Landrat Dietmar Seefeldt ein Bild von der Entwicklung, nachdem zuvor erste Zwischenergebnisse aus einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung vorlagen. Mit dabei waren Fachleute der unteren Naturschutzbehörde und Mitglieder der Kreistagsfraktion der Grünen.

Offenhaltung der Landschaft funktioniert. Tierische Artenvielfalt profitiert
Landrat Dietmar Seefeldt zeigte sich beeindruckt vom Erfolg des Projekts, der für jedermann sichtbar und dazu wissenschaftlich belegt ist: „Die Zwischenergebnisse der wissenschaftlichen Begleituntersuchung, durchgeführt im Auftrag der Landeskulturverwaltung, zeigen einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt.“

So habe sich die Anzahl der Brutvogelarten auf der Weidefläche mehr als verdoppelt, die Populationen der vorkommenden Reptilienarten haben sich stabilisiert. Zur weiteren Projektsteuerung erläuterte Seefeldt: „Die Begleituntersuchung soll noch diesen Sommer abgeschlossen werden. Nach Auswertung der Ergebnisse kann dann die Besatzdichte der Weidetiere, also wie viele Tiere dort stehen sollen, nach naturschutzfachlichen Kriterien neu festgelegt werden.“

Die Steuerung der Besatzdichte wird in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) und in Abstimmung mit dem landwirtschaftlichen Betrieb von Bernd Völlinger, der für die Tierhaltung verantwortlich zeichnet, erfolgen. Eine Anpassung der Zahl der Weidetiere erscheine auch sinnvoll im Hinblick auf die zu erwartende, zunehmend trockenere Sommerwitterung mit vermindertem Futterangebot.

Weidetiere schaffen Vielfalt und ökologischen Nischen für nachfolgende Arten
„Ziel des ganzjährigen Beweidungsprojekts in Gräfenhausen ist insbesondere, die Artenvielfalt bei Kleinsäugern, Brutvögeln, Reptilien und bodenbewohnenden Insekten anzukurbeln. Beweidungssysteme mit robusten Tierrassen in halbwilder Haltung sind im praktischen Naturschutz seit einigen Jahren ein anerkanntes Instrument“, erläuterte dazu Richard Dümmler von der unteren Naturschutzbehörde die Hintergründe.

In der Anfangsphase sei der Beweidungsdruck am Wingertsberg durch einen Mehrbesatz an Weidetieren bewusst hoch gehalten worden, um den Gehölzverbiss voranzutreiben und neue Grünlandflächen zu schaffen. Das Weideland zeige sich deshalb aktuell unter starkem Verbiss der Offenlandvegetation, der Gehölzinseln und Gehölzränder sowie im Bereich des baumbestanden Unterwuchses, so Dümmler auf entsprechende Fragen. „Die neu entstandenen Offenlandflächen sollen jetzt schrittweise und angepasst an die örtlichen Verhältnisse einer extensiveren Pflege und Bewirtschaftung zugeführt werden.“

Beweidungsprojekt Gräfenhausen. Historie.
Auszug  aus einem Text von Stefanie Ofer: „Eine Chance für die Natur“

Seit 2014 machen Auerochsen, Ziegel und Esel dem Gestrüpp am Wingertsberg den Garaus. Bis in die 1970er Jahre hinein wurde der Wingertsberg von zahlreichen Privathaushalten für den Wein- und Obstanbau genutzt. Da die Arbeit am Steilhang nicht nur hart, sondern auch kosten- und zeitintensiv war, wurden die Parzellen allerdings nach und nach sich selbst überlassen. Brombeeren, Schlehen und Wildrosen übernahmen schnell das Regiment. Und innerhalb kurzer Zeit war das Gelände so stark verbuscht, dass die Zauneidechse oder seltene Vogelarten wie der Wendehals zu verschwinden drohten.

Die Winzerin Andrea Schneider vom Weingut Burgunderhof in Gräfenhausen suchte nach einer Lösung und initiierte das Beweidungsprojekt.

Mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen als Berater und durch Unterstützung der Kreisverwaltung SÜW und des Landes RLP konnten über 300 Grundstücke erworben oder gepachtet werden. Damit war der Wingertsberg für ein Beweidungsprojekt verfügbar.

Aktuell sind zwei Esel, eine Herde Burenziegen mit zehn Zicklein und neun Auerochsen – ein Bulle und acht Mutterkühe – als Biotoppfleger im Einsatz. Alle Tiere gehören Bernd Völlinger aus Venningen.

Dass das von den Tieren gestaltete Gelände nicht nur artenreich, sondern auch attraktiv ist, davon können sich Spaziergänger auf einem etwas drei Kilometer langen Rundweg überzeugen. Immer wieder eröffnen sich hier wunderbare Blicke auf die Burgen Trifels, Anebos und Münz. Und nebenbei kann man die weidenden Tiere beobachten.

So fördert das Beweidungsprojekt Annweiler-Gräfenhausen auch den sanften Tourismus im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen.

Forstamtsleiter Gregor Seitz ein Jahr im Amt
Zukunftsvision Gemeinschaftswald

Forstamtsleiter Gregor Seitz: „Politik und Gesellschaft haben hohe Erwartungen an die Waldbesitzenden hinsichtlich eines klimastabilen Umbaus der Wälder. Die Verpflichtungen dazu sind im Landeswaldgesetz festgelegt. Bei den damit verbundenen Herausforderungen kann das Annweiler Forstamt den privaten Waldbesitzern in vielerlei Hinsicht helfen“. Foto: cmc-hi

Annweiler.28.1.2021/hi. Es hat viel geregnet und geschneit seit Dezember bis Anfang Februar. Hat sich der Annweiler Wald dadurch von den Dürreperioden der letzten Jahre wieder erholt?

Kaum, sagt dazu Gregor Seitz, der seit einem Jahr den großen Forstamtsbereich Annweiler leitet. Auch wenn die Wald- und Feldwege vor dem aktuellen Frost vielerorts nass und matschig waren, fehle in den unteren Bodenschichten noch immer die Feuchtigkeit.

Der Wald leidet unter der Klimaveränderung

Um ihn als Lebens-, Natur- und Erholungsort zu erhalten, haben allein im vergangenen Jahr Bund und Land 21 Millionen Euro Fördergelder an private und kommunale Waldbesitzende in Rheinland-Pfalz ausgezahlt. Bereits in früheren Jahren sind forstliche Förderprogramme in erheblichem Umfang in die Waldbestände geflossen. Dann allerdings folgten Jahre, in denen die Mittel drastisch gekürzt wurden.
Hat die Dramatik der Entwicklung infolge der letzten Hitze- und Dürresommer nun ein Umdenken bewirkt?

Ein Großteil der Wälder befindet sich im Privatbesitz

Im Forstamtsbereich Annweiler gibt es neben dem kommunalen Bürgerwald rund 2 600 Privatwaldbesitzende. Überwiegend Klein- und Kleinstparzellen mit durchschnittlich weniger als 0,6 ha Fläche.

„Für private Waldbesitzer ist ihr Wald oft Sparkasse oder ein Familienbesitz, der an kommende Generationen nachhaltig weiter vererbt werden soll. Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung sind fast ausschließlich aus dem Holzverkauf zu erzielen“, kommentiert Karl-Heinz Busch, Mitglied im Waldbauverein Trifels.  

Durch den Klimawandel mit seinen Dürrejahren und dem vermehrten Schädlingsbefall mussten aber in den letzten Jahren riesige Holzmengen in Deutschland eingeschlagen werden. Der Holzmarkt wurde überschwemmt. Die Holzpreise gingen in den Keller. Manche Sortimente sind unverkäuflich. Eine Vielzahl von Forstbetrieben ist am Ende. Die Flächen müssen geräumt und wieder aufgeforstet werden. „30 Jahre sind dort jetzt keine Einnahmen mehr aus dem neuen Wald zu erwarten, nur hohe Pflegekosten. Waldbewirtschaftung und Waldpflege ist Daseinsvorsorge für alle. Daher sind die Privatwaldbesitzer auf die Unterstützung der Politik angewiesen“, erläutert der ehemalige Privatwaldberater Busch aus Annweiler.

Forstamt Annweiler

Forstmeister Gregor Seitz leitet seit einem Jahr den großen Forstamtsbereich Annweiler. Das Waldgebiet reicht von Rinnthal bis an die deutsch-französische Grenze. Darin ist der Annweiler Wald enthalten mit seinem 2 100 Hektar großen kommunalen Bürgerwald und rund 1.500 Hektar Wald von 2.600 Privatwaldbesitzern.

Gleich ob Privatwald, Kommunalwald oder Staatswald. Den Waldbesitzenden sind vier Grundpflichten auferlegt (§ 4 LWaldG): Der Wald ist ordnungsgemäß, nachhaltig, planmäßig und sachkundig zu bewirtschaften. Die Bewirtschaftung schließt die Umweltvorsorge ein. Die Grundpflichten stellen eine gesetzliche Vorgabe für alle Waldbesitzenden sowie für jede Maßnahme im Wald dar. Grundsätzlich gelten sie unabhängig von der Waldeigentumsart und der Forstbetriebsgröße.

Wir haben das zum Anlass genommen und ein ausführliches Gespräch geführt. Insbesondere wollten wir wissen, wie das Forstamt die Privatwaldbesitzer bei der Bewältigung der Probleme unterstützt.

Forstliche Förderprogramme des Landes

Das Volumen der beantragten und bewilligten Fördermittel für den Privatwald ebenso wie für den Kommunalwald sei im Verlauf des letzten Jahres deutlich angestiegen, berichtet Gregor Seitz: „Im Forstamtsbereich Annweiler sind im Verlaufe des Jahres 2020 rund 70.000 Euro bewilligt worden. Aufgrund der Vielzahl von Anträgen landesweit ist die Bewilligung der Anträge noch nicht vollständig abgewickelt. Das genannte Fördervolumen ist folglich noch nicht abschließend“.

Insbesondere die Fördertatbestände „Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald“ und „Erschließung von Waldgebieten für eine Bewirtschaftung, Prävention und Abwicklung von Schadereignissen“ seien durch die Waldbesitzenden in Anspruch genommen worden.

Ergänzend dazu werde seit Ende des vergangenen Jahres die Nachhaltigkeitsprämie Wald durch ein umfangreiches Konjunktur- und Zukunftspaket ratifiziert.

„Im Annweiler Forstamtsbereich sind neben den waldbesitzenden Kommunen auch mindesten 150 Privatwaldbesitzende in die Antragstellung eingestiegen. Die ersten Bewilligungen wurden kurz vor den Weihnachtstagen ausgestellt“, weiß Gregor Seitz.

Prekäre betriebswirtschaftliche Situation der hiesigen Kleinprivatwaldbesitzer

Der Waldbesitz soll Rendite bringen. Das ist kein Widerspruch zu den Grundpflichten der Waldbesitzer. Denn der Wald ist eine langfristige Investition. Im Durchschnitt sind etwa 100 Jahre nötig, bis die Bäume geerntet werden können. Die jährlich laufenden Kosten müssen daher möglichst geringgehalten werden. Berufsgenossenschaft, Steuern und Abgaben belaufen sich zurzeit auf etwa 125 Euro je Jahr und Hektar. Das sind ohne Zinsen 12 500 Euro je Hektar in 100 Jahren.

Dazu Annweilers Forstmeister Gregor Seitz: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine positive ökonomische Perspektive. Die Holzvermarktung ist seit Beginn der europaweiten Waldschadens-Situation gestört und hat zu deutlichen Eintrübungen und einem spürbaren Preisverfall geführt. Dies betrifft insbesondere beim Nadelholz die Fichte. Aufgrund des europaweiten Überangebot an Käferholz sind die Absatzmöglichkeiten für die Kiefer – eine der charakteristischen Baumarten im Bereich des Pfälzerwaldes – nicht gegeben“. Diese Baumart sei bei den Holzkäufern nicht stark nachgefragt. Ein durchschreiten der Talsohle und eine Marktbelebung zeichne sich noch nicht ab.

„Gleichermaßen stehen die Waldbesitzenden den klimawandelbedingten Herausforderungen gegenüber. Die durch Dürre, Sturm und Borkenkäfer entstandenen Schädigungen sind aufzuarbeiten, die Verkehrssicherheit entlang öffentlicher Straßen ist zu gewährleisten und im Falle des Wegbrechens ganzer Waldorte ist die Wiederbewaldung zu stemmen. Das alles verursacht erhebliche Kosten“.

Forstfachliche Beratung

Das Forstamt fördert den Privatwald und die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse durch Beratung.
In den Forstämtern betreuen speziell dafür ausgebildete Fachleute die Privatwaldbesitzenden.

„Im Forstamtsbereich Annweiler ist das der Privatwaldbetreuer Nicolas Scheiwe. der in Sach- und Fachfragen berät. Außerdem Günter Beck, der auch im Forstamt Hinterweidenthal für die dortigen Privatwaldflächen zuständig ist “, erklärt Seitz.

„Auf Wunsch leitet unser Team die Waldbesitzenden bei den Betriebsarbeiten an und unterstützt sie bei der Beschaffung von Saatgut und Pflanzmaterial. Diese Leistungen sind kostenfrei. Dafür haben wir in

Schwerpunkten des Kleinprivatwaldes für Beratung und forstfachliche Förderung des Privatwaldes spezielle Privatwaldbetreuungsreviere gebildet. Das Annweiler Forstamt wirkt auf Wunsch der Waldbesitzenden fallweise oder ständig bei der Waldbewirtschaftung mit. Für diese Mitwirkung sind Gebühren zu entrichten“.


Waldflurbereinigung

Klimawandelbedingten Waldschäden können die Gemeinwohlleistungen des Waldes bedrohen und insbesondere auch negative Folgen für den Klimaschutz haben. „Darüberhinaus bestehen auch strukturelle Defizite“, gibt sich Seitz nachdenklich: „Die Strukturen des Privatwaldes sind durch eine Vielzahl von Klein- und Kleinstwaldbesitzenden sowie vielerorts durch eine mangelhafte Walderschließung und unklare Eigentumsverhältnisse geprägt. Private Waldbesitzer leben vermehrt in einem urbanen Umfeld und haben kein oder ein nur geringes Interesse an der wirtschaftlichen Nutzung ihres Waldes“.
Zur Strukturverbesserung im kleinparzellierten Privatwald seien die öffentlichen Fördermittel insoweit auch eine Hilfe zur Selbsthilfe, um eine Professionalisierung im Waldbau zu erreichen.

Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, meint dazu Karl-Heinz Busch, dass beispielsweise das Rinnthaler Verfahren zur Waldflurbereinigung seit über zehn Jahren die  Amtsstuben des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums  beschäftigt.

Mit Blick auf die gegenwärtigen Rahmenbedingungen und und die heutigen und zukünftigen Erwartungen an die Wälder sagt Gregor Seitz: „Für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen in leistungsfähigen Strukturen kann auch ein Gemeinschaftswald-Ansatz eine Zukunftsvision darstellen“.